Dienstag, 01 Juli 2014 10:34

3 Faktoren, die über Sieg oder Niederlage beim Elfmeterschießen entscheiden

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Folgende 3 Faktoren entscheiden über Sieg oder Niederlage beim Elfmeterschießen Folgende 3 Faktoren entscheiden über Sieg oder Niederlage beim Elfmeterschießen Serdar Tibet / shutterstock.com

Costa Rica hat es vorgestern Abend vorgemacht, wie Elfmeter geschossen werden. Ruhig und entschlossen zum Elfmeter-Punkt schreiten, sich den Ball besonnen zurecht legen, ein paar Schritte Anlauf nehmen, Blickkontakt mit dem Torwart aufnehmen und nach dem Pfiff des Schiedsrichters noch einmal tief Durchatmen bevor angelaufen wird. Alle fünf Elfmeter hat es auf diese Art und Weise, wie es sich für die Lebensart der Costa Ricaner („pura vida“) gehört, spielend leicht verwandelt.

Grund für uns einmal zu prüfen, ob es eine perfekte Strategie fürs Elfmeterschießen gibt? Gibt es eine Möglichkeit die psychische Belastbarkeit gerade in solchen Extremsituationen bewusst zu steuern? Können Spieler alleine in dem sie Ruhe und Coolness ausstrahlen, die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass sie ihre Elfmeter verwandeln?

Einer Untersuchung des Sportpsychologien Geir Jordet zu Folge ist das möglich. Er untersuchte dabei sämtliche Elfmeterschießen bei Welt- und Europameisterschaften seit 1976 sowie aus der Champions League und machte dabei drei Faktoren aus, die entscheidend für Sieg oder Niederlage beim Elfmeterschießen sind:


1. Ergebnisse aus der Vergangenheit
Ergebnisse aus der Vergangenheit beeinflussen die Psyche unbewusst weit mehr als wir zu glauben vermögen. So fand Jordet heraus, dass Spieler schlechter Elfmeter schießen, wenn ihre Mannschaft das letzte Elfmeterschießen verloren hat - selbst wenn dieses Spiel bereits Jahre zurücklag und die Spieler selbst gar nicht daran beteiligt waren. Es scheint so, dass die Spieler die Pressestimmen unbewusst mehr verinnerlichen, als es ihnen lieb ist.

Wenn im Vorfeld einer WM immer wieder auf die schlechte Elfemeterbilanz bei Mannschaften wie England oder Holland hingewiesen wird, bleibt möglicherweise ein Stück der Berichterstattung in den Köpfen der Spieler hängen, denn Jordet fand heraus, dass nach einem früheren Sieg im Elfmeterschießen 83 Prozent der Spieler trafen, nach einer Niederlage nur noch 72 Prozent. Noch deutlicher der Unterschied zwischen Seriensiegern und Serienverlierern: Während Seriensieger eine spätere Trefferwahrscheinlichkeit von fast 90 Prozent hatten, lag diese bei Serienverlierern sogar nur noch bei 57 Prozent.


2. Zeit zwischen Anpfiff und Ausführung
Bei der Auswertung untersuchte Jordet nicht nur die Treffsicherheit, sondern auch das psychologische Auftreten der Schützen. Er beobachtete, wie viel Zeit sich die Schützen zwischen Anpfiff und Ausführung nahmen. Auffällig war, dass gerade englische (0,28 Sekunden), spanische (0,32 Sekunden und niederländische Spieler (0,46 Sekunden), also genau jene Länder, die das Elfmeterschießen nicht gerade als Ihre Stärke bezeichnen, es am eiligsten mit der Ausführung hatten.

Deutsche (0,68 Sekunden) und Französische Spieler (1 Sekunde) gingen jene Situationen erheblich lockerer an. Die Forscher fanden hierbei heraus, dass Spieler, die sich nach dem Pfiff des Schiedsrichters weniger als 200 Millisekunden Zeit ließen, bevor sie Anlauf nahmen, nur in 57 Prozent der Fälle trafen, wohingegen Spieler die mindestens 1 Sekunde warteten in 80 Prozent der Fälle erfolgreich waren.1


3. Blickkontakt mit dem Torwart
Auffallend war auch, dass mehr als 50 Prozent der englischen Kicker den Blickkontakt mit dem Torwart vermieden. Sowohl die Zeit der Ausführung als auch der Blickkontakt waren für Jordet Belege für Unsicherheit und Nervenschwäche. Dies verglich er mit dem menschlichen Fluchtverhalten bei aufwühlenden Stresssituationen. Die Schützen wollten demnach diese Extremsituation so schnell wie möglich hinter sich bringen.

Dagegen beeindruckt ein selbstsicheres Auftreten des Schützen unterbewusst den Torwart, so das Ergebnis von Studien des Sportpsychologe Iain Greenlees von der University of Chichester in Südengland, so dass die Zuversicht des Torhüters den Elfmeter zu parieren, sinkt. Zeige der Schütze jedoch selbst Unsicherheit, stärkt er damit unbewusst den Torhüter.2

Bekannt ist, dass die Mimik eine unmittelbare unbewusste Reaktion unseres Körpers nach sich zieht und dies unsere in diesem Moment erlebte Emotion verstärkt. Wenn wir beispielsweise lachen, fühlen wir uns gleich entspannter. Psychologen fanden heraus, dass dies auch umgekehrt möglich ist. Das heißt, um uns entspannter zu fühlen, brauchen wir nur unsere Mimik und Körpersprache in die gewünschte Richtung zu steuern. So können wir unsere eigenen Gefühle bewusst beeinflussen und damit auch gleichzeitig wie andere uns unbewusst einschätzen.

Und entspannt beim Schießen eines Elfmeters zu wirken, ist sicher nicht die schlechteste Variante. Costa Rica lässt grüßen!


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Einzelnachweise:

1. Czycholl, Harald: Tor, Tor, Testosteron; Welt am Sonntag Nr. 24 vom 15.06.2014
2. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/sportpsychologie-warum-england-im-elfmeterschiessen-immer-verliert-a-605078.html

Gelesen 6380 mal Letzte Änderung am Dienstag, 27 Januar 2015 14:54