Donnerstag, 04 Dezember 2014 10:25

7 spannende Erkenntnisse zur Kinder-Erziehung Empfehlung

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Erfahren Sie 7 Wahrheiten zur Kinder-Erziehung Erfahren Sie 7 Wahrheiten zur Kinder-Erziehung Dooder // shutterstock.com

Was sind die fundamentalen Dinge, die Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder beachten sollten, damit jene im Erwachsenenalter reife Persönlichkeiten werden? Dieser Frage gingen die beiden Autoren Po Bronson und Ashley Merryman in ihrem Bestseller "10 schockierende Wahrheiten über Erziehung" nach und machten dabei faszinierende Ergebnisse, die für unseren Erziehungsstil enorm wertvoll sein können.

Damit sie im Erwachsenenalter eine reife Persönlichkeit werden, ist es für Kinder enorm wichtig, eine geordnete Erziehung zu erfahren, damit schlechte Erfahrungen im Säuglings- und Kleinkindalter nicht zu Fehlentwicklungen führen. Siegmund Freud höchstselbst war es, der die Ansicht vertrat, dass gerade unsere Kindheit entscheidenden Einfluss darauf hat, welche Persönlichkeit wir später entwickeln.

Grund genug einmal hinter die Kulissen zu schauen, die eine gute Kindererziehung ausmachen:


1.) Loben Sie Kinder stets für Ihre Anstrengung - niemals für Ihre Klugheit!
Wenn Kinder allgemein für Ihre Intelligenz gelobt werden, bekommen sie vermittelt, dass es darauf ankommt, gut dazustehen und Risiken zu vermeiden. Dies führt jedoch dazu, dass sich Kinder dafür entscheiden, gut dazustehen und aus Angst vor einer Blamage Risiken vermeiden.

In Studien wurde nachgewiesen, dass Kinder, die glaubten ihre natürliche Intelligenz sei der Schlüssel zum Erfolg, schnell in ihrem Fleiß nach ließen. Kinder oft zu sagen, wie intelligent sie seien, führt nicht nur dazu, dass diese hinter ihren Möglichkeiten zurück bleiben, es könnte sogar die eigentliche Ursache dafür sein!

Um zu beweisen wie sich Lob auf Schüler auswirkt machte die renommierte Verhaltensforscherin Dr. Carol Dweck eine Untersuchung, bei der 400 Fünftklässler nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt wurden. Dabei sollten diese einen Intelligenztest bewältigen, der aus mehreren Rätseln bestand und so leicht war, dass alle Schüler ihn lösen konnten. Die Schüler von Gruppe eins wurden anschließend dafür gelobt, wie intelligent sie seien und die Schüler der zweiten Gruppe wurden für ihre Anstrengung gelobt.

Danach konnten sich die Schüler einen Test aussuchen. Möglichkeit eins war ein Test aus schwierigeren Rätseln, bei dem die Kinder jedoch laut Dr. Dweck eine Menge lernen würden, während die zweite Möglichkeit ein Test war, der genauso leicht wie der erste war. Während sich von den Kindern, die für ihre Anstrengung gelobt wurden, 90 Prozent für das schwierigere Rätsel entschieden, wählte die Mehrheit der anderen Gruppe den leichten Test.

 

"Eine schöne Handlung aus vollem Herzen loben, heißt in gewissem Maße, an ihr teilhaben."
Francois de la Rochefoucauld, 1613-1680, französischer Schriftsteller



In verschiedenen Folgetest bestätigten sich immer wieder jene Erkenntnisse - und das quer durch alle sozialen Schichten. Sogar Vorschulkinder waren gegen die negativen Folgen des Lobes nicht geschützt. Dagegen entwickelten Kinder, die für ihre Anstrengung gelobt wurden, eine größere Beharrlichkeit auch scheinbar unlösbare Aufgaben zu lösen.

Aber Vorsicht! Zu viel Lob ist ähnlich schlecht wie falsches Lob. Wenn Sie Kinder zu viel loben, werden diese Aufgaben nur deshalb erledigen, um dafür gelobt zu werden. Die Eigenmotivation der Kinder wird dann immer geringer. Wissenschaftler vom Reed College haben herausgefunden, dass Schüler die viel gelobt wurden, darüber hinaus risikoscheuer werden.

Dr. Robert Cloninger von der Washington University meint, dass Lob in unregelmäßigen Abständen ausgesprochen werden soll, um es so zu verstärken. Jemand, der zu viele Belohnungen erhält, wird keine Beharrlichkeit entwickeln und bei Durststrecken schnell aufgeben.



2.) Sorgen Sie dafür, dass Kinder genügend schlafen!
Forscher wiesen nach, dass bereits eine Stunde weniger Schlaf die Intelligenz einen Sechsklässler zu der eines viertklässlers schrumpfen lässt. Mit anderen Worten: Dauerhaft eine Stunde weniger zu schlafen als üblich ist gleichzusetzen mit dem Verlust von zwei Jahren geistiger Reife und Entwicklung. Zu dieser Erkenntnis kam auch Dr. Avi Sadeh, einer der bedeutendsten Experten auf dem Gebiet der Schlafforschung:

Bei einem Experiment gab er 77 Viert- und Sechstklässlern, die nach dem Zufallsprinzip ausgewählt wurden, die Anweisung drei Nächte lang entweder früher ins Bett zu gehen oder länger aufzubleiben. Mit der Hilfe eines Aktometer, ein Gerät dass die Aktivität im Schlaf aufzeichnet, konnten die Forscher ermitteln, wieviel jedes Kind von der im Bett verbrachten Zeit geschlafen hat.

Am vierten Tag besuchte ein Wissenschaftler die Kinder in der Schule und testete deren Leistungsfähigkeit mit dem Ergebnis, dass der Leistungsunterschied den eine Stunde weniger Schlaf zur Folge hatte, größer war als der Unterschied zwischen einem durchschnittlichen Sechsklässler und einem durchschnittlichen Viertklässler!

 

"Der Schlaf ist für den ganzen Menschen, was das Aufziehen für die Uhr."
Arthur Schopenhauer, 1788-1860, deutscher Philosoph


Folglich ist es nicht verwunderlich, dass an einer Studie an über 3000 Schülern bewiesen wurde, dass es einen Zusammenhang zwischen der Schlafdauer und den Schulnoten gibt: Je mehr Schlaf die Schüler hatten, umso besser waren ihre Noten. „Einser-Schüler“ schliefen im Schnitt 15 Minuten mehr als „Zweier-Schüler“ und „Zweier-Schüler“ schliefen im Schnitt 15 Minuten mehr als „Dreier-Schüler“ und so weiter.

Folgen von Schlafmangel: Wenn sich Schlafmangel über einen längeren Zeitraum fortsetzt, kann dies sogar zu dauerhaften Problemen führen: Einige Forscher wiesen nach, dass Schlafmangel in jungen Jahren zu dauerhaften Veränderungen in der Hirnstruktur sorgt. Die Folge sind anhaltende Schäden, die man nicht einfach „wegschlafen“ kann: Stimmungsschwankungen, Depressionen und Essstörungen sind Erkrankungen, die häufig auf Schlafmangel in jungen Jahren zurückgeführt werden.


3.) Kinder brauchen Regeln!
Dass Kinder rebellieren, wenn wir Ihnen zu viele Regeln setzen, ist ein Mythos! In Studien quer über den Planeten wurde nachgewiesen, dass gerade jene Kinder deutlich eher rebellieren, die Eltern haben, die ihnen keine Grenzen setzen. Jene Eltern lassen ihre Kinder gewähren, da sie Angst haben, diese durch strenge Maßnahmen zu verletzen.

Da sie mitunter auf Grund von Arbeitszeit nicht besonders viel vom Alltag ihres Nachwuchses mitbekommen, glauben sie jenes schlechte Gewissen zu beruhigen, indem sie besonders nachsichtig mit ihren Zöglingen sind.
Ärgerlich daran ist, dass dies den gegenteiligen Effekt zur Folge hat:

In dem wir Kindern keine Grenzen setzen, suggerieren wir ihnen, dass sie uns nicht interessieren. Obwohl dies in den allermeisten Fällen gar nicht der Fall ist, versuchen jene Kinder jetzt mit allen Mitteln die Aufmerksamkeit ihrer Eltern zu erhalten - zur Not auch mit negativen Mitteln!


Überraschenderweise waren es ausgerechnet jene Eltern, die am strengsten auf das Einhalten von Regeln achteten, die das beste Verhältnis zu ihren Kindern hatten. Damit unterstützten sie gleichzeitig die Autonomie der Kinder, da diese genau wussten, innerhalb welcher Grenzen sie sich selbstständig bewegen durften. Jene Kinder waren es auch, die ihre Eltern am wenigsten anlogen.

Sie müssen jetzt nicht zu „Helikoptereltern“ mutieren und ihre Kinder auf Schritt und Tritt überwachen! Das könnten nämlich wiederum einen gefährlichen Nebeneffekt haben: Kinder von zu strengen Eltern langweilen sich schneller und Langeweile im Teenager-Alter ist Umfragen zu Folge der Hauptgrund, warum Kinder zu Drogen und Alkohol greifen. Der gesunde Mittelweg machts!


4.) Mit seinen Kindern diskutieren ist gut für die Beziehung zu ihnen!
„Ein gutes Gewitter reinigt die Luft“, lautet eine traditionelle Redewendung. Im Hinblick auf die Beziehung zu seinen Kindern sei sogar noch hinzugefügt, dass dies gesund für eben jene ist. Warum? Gerade jene typischen Mutter-Tochter-Dispute während der Pubertät sorgen für eine bessere Beziehung untereinander. Studien wiesen nach, dass ein gelegentlicher Konflikt die Beziehungsebene enorm festigt - wohingegen überhaupt kein Streit ebenso wie dauerhafter Streit diese Beziehung zerstört.

"Konfrontation ist nicht so schlecht wie ihr Ruf; sie dient der Verdeutlichung von Standpunkten, wenn Regeln zu ihrer Austragung bestehen."
Richard von Weizsäcker, ehemaliger deutscher Bundespräsident


Über 75 Prozent der Töchter gaben an, dass sich durch gelegentliches Streiten die Beziehung zu Ihren Eltern gestärkt habe. Demgegenüber waren lediglich 23 Prozent der Auffassung, dass ein Streit destruktiv sei. Ein Streit wird heute als „moderner Weg“ gesehen, um die Ansichten seiner Eltern zu erhalten.


5.) Angefangene Dispute stets auch vor den Kindern ausdiskutieren!
Durchschnitts-Ehepaare geraten Acht mal am Tag aneinander und bringen ihre Wut auf den anderen zwei- bis dreimal so häufig zum Ausdruck wie ihre Zuneigung. Obwohl Eltern es oft versuchen, schaffen Sie es nicht diese Streitigkeiten ihren Kinder zu ersparen, denn diese bekommen in 45 Prozent der Fälle alles mit. So lauten die Ergebnisse von entsprechenden Studien!

Ein Problem? - Von wegen! Ein elterlicher Streit vor den eigenen Kindern ist überhaupt kein Problem - so lange der Streit auch vor den Kindern beigelegt wird.  Studien wiesen nach, dass Streits keinerlei negativen Einflüsse auf Kinder haben, so lange diese auch vor den Kindern beigelegt werden.

Wenn Sie jedoch vor Ihren Kindern anfangen zu streiten und jenen Disput hinter verschlossenen Türen ohne Ihre Kinder fortsetzen, übertragen Sie damit die negative Stimmung auf Ihre Kinder. In einer Studie reagierte ein Drittel der Kinder aggressiv, nachdem sie einen Streit mitbekamen - unabhängig davon ob es um die eigenen Eltern ging oder Fremde!

In der gleichen Studie eliminierte sich diese Aggressivität jedoch bei 96 Prozent jener Kinder, nachdem sie mitbekamen, wie jener Disput konstruktiv gelöst wurde.


6.) Trainiere die Selbstdisziplin der Kinder statt den IQ!
War die Wissenschaft vor zehn Jahren noch der Ansicht, dass die Selbstdisziplin eine starre Größe sei, die jemand entweder von Natur aus hat oder eben nicht, weiß man heute, dass Selbstdisziplin trainiert werden kann.


"Alle Erziehung ist nur Handreichung zur Selbsterziehung."

Eduard Spranger, 1882-1963, deutscher Pädagoge


Jene Selbstdisziplin gilt heute als entscheidende Bezugsgröße, die über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Kurz gesagt: Disziplin ist wichtiger als Intelligenz. In einer Studien an der Pennsylvania State University wurden Kinder, deren IQ und Selbstdisziplin überdurchschnittlich waren mit Kindern verglichen, die lediglich über einen hohen IQ verfügten. Ergebnis: Erstere waren dreimal so oft gute Mathematiker.


7.) Rede viel mit Kleinkindern, dann lernen diese schneller das Sprechen
Auf geschätzte 4,8 Milliarden Dollar wird der Jahresumsatz von sogenannten Baby-DVDs geschätzt. Das Ziel jener DVDs ist es, die Sprachentwicklung von Kindern zu fördern. Ein Studienergebnis aus dem Jahre 2007 machte dieser Industrie jedoch einen Strich durch die Rechnung:

Laut deren Erkenntnissen sind Baby-DVDs sogar nachteilig, da jene Babys in Studien über einen geringeren Wortschatz verfügten als Gleichaltrige, die normale Fernsehsendungen schauten. Entscheidend scheint zu sein, dass Baby-DVDs mit Hintergrundkommentaren arbeiten und die Kinder somit keine Gesichter sehen können. Da Babys die Sprache unter anderem dadurch entschlüsseln, indem sie die Lippenbewegungen des Sprechers beobachten, war die Ursache für dieses überraschende Ergebnis schnell gefunden.

Das beste Fördermittel für die Sprachentwicklung ist jedoch etwas ganz anderes: Am wichtigsten ist nämlich, wie eine Mutter mit ihrem Kind interagiert. Dabei kommt es nicht darauf an, wie oft sie ein Gespräch mit ihrem Kind initiiert - entscheidend ist, wie sie auf die Initiative des Kindes reagiert. Studien wiesen nach, dass jene Kinder gegenüber Gleichaltrigen, deren Eltern seltener reagierten, bemerkenswerte 6 Monate voraus waren und ihr erstes Wort bereits mit zehn Monaten sprechen konnten!

 

Einzelnachweise:

vgl. Bronson, Po; Merryman, Ashley: 10 schockierende Wahrheiten über Erziehung; Riemann-Verlag, München 2010

vgl. Barker, Eric: Good Parenting Skills: 7 Research-Backed Ways to Raise Kids Right unter http://www.bakadesuyo.com/2013/11/good-parenting-skills/


Gelesen 11415 mal Letzte Änderung am Dienstag, 27 Januar 2015 15:47